Archive for December, 2007
Blinddate
Der Tag hatte absolut chaotisch angefangen. Zuerst hatte die Kaffeemaschine den Geist aufgegeben, dann hatte ich mir den großen Zeh an der Badewanne gestoßen und er nahm zwischenzeitlich die Farbe von Pflaumen an. Zu guter Letzt hatte noch meine Mutter angerufen und sich für das Wochenende angekündigt. Es war eine Katastrophe. Und dann war da noch mein Date heute abend, ein Blinddate. Gut, ich war nicht gerade ein Kind von Traurigkeit, aber im Moment war mir einfach nicht nach einem Blinddate zumute. Das Telefon klingelte. “Nicht schon wieder du, Mami.” Murmelte ich vor mich hin, humpelte zum Telefon und nahm den Hörer ab.
“Ja.” Ich war ein wenig gereizt.
“Hallo, hier ist Mark.” Die Stimme verursachte mir leichtes Herzklopfen und ein Kribbeln unterhalb des Bauchnabels. Es war mein Blinddate.
“Hallo, Mark.” Oh, Gott ich war nervös.”Es ist mir sehr peinlich…” begann Mark.
>Er sagt das Date ab.< Schoß es mir durch den Kopf.
“..aber könnten wir unser Date um eine Stunde verschieben. Ich schaffe es nicht um 19.30 h da zu sein. Der Job…” Read more
No commentsBlut und Wasser
Es war vor ungefähr zwei Jahren, ich war damals in einem Hotel, allein, als Softwareverkäufer allein in einem Hotel, ich stand in dem Zimmer, und völlig fertig von dem Tag war ich, war völlig fertig vom verkaufen und kümmern und Messe und quatschen und schlau erzählen, da saß ich in meinem Zimmer, meinen Whisky, meinen Schlaftrunk in der Hand, saß auf dem Sessel, allein.
Aufgedreht. Die Bilder der Computeroberfläche wirbelten in meinem Kopf, RGB Farbe, ich bemerkte, wie ich die Farben verglich, wie ich jedes reale Teil meiner Umgebung mit den Icons meines Desktops verglich.
Da wusste ich, ich würde nicht schlafen können, zu viele Dinge würden in meinem Kopf rumgeistern, zu viele Gedanken kreisen, zu viel Energie im Kopf um loslassen zu können, um mich einfach friedlich ins Bett legen zu können, und bevor ich in das schwarze Loch des Verlassenseins falle, bevor ich mich der üblichen Hoteldepression ergebe und mich beuge, vor der hohen Erwartung an eine Großstadt in der ich früher mal studiert hatte, bevor ich vor Langeweile und Schlaflosigkeit zerbreche, entschloss ich mich, trotz meiner körperlichen Müdigkeit für Lebenshunger. Damals, komisch war das damals, aber ich weiß es noch wie heute. Read more
No commentsBrief, Der
Alex stand an den Rahmen der großen Verandatür gelehnt. Sein Blick hing leer über
der weiten Bucht. Das Meer war außergewöhnlich ruhig heute, kein Windhauch
schlug eine Welle an. Die schmale Mondsichel streute nur wenig Licht über den
direkt hinter der Terasse beginnenden Strand. Er fühlte sich miserabel. Wenn jetzt
plötzlich eine Riesenwelle die Bucht heimsuchen, ihn mit sich reißen und ins offene
Meer spülen würde es
wäre ihm scheißegal gewesen.
Seit einer Woche waren sie nun hier auf der Insel, „ihrer” Insel, um Urlaub zu
machen. Er, Ramona und ihre beiden halbwüchsigen Kinder. Sie hatten per Zufall
dieses Ferienhaus hier bekommen, hier, direkt an ihrem Lieblingsstrand. Zum
Erholen, Ausspannen, Relaxen. Einfach die Seele baumeln und fünfe gerade sein
lassen. Und zum Reden, das hatte sich Alex fest vorgenommen. Reden über ihre
Beziehung, die in den letzten Jahren so eingeschlafen war. Keine Nähe, keine
Zärtlichkeit mehr. Allag eben. Nicht einmal die kleinen Gesten der Verbundenheit ein
Streicheln der Wange, Streichen durch das Haar geschahen
noch bei Ihnen. Read more
No commentsBrummel
Nein, Brummel war nicht das, was sich unsereiner unter „Augenweide“ vorstellt. Er war eher von kleiner Statur, hatte einen watschelnden Gang und trug meist zerschlissene Jeans, die ich schon längst auf den Müll geworfen hätte. Sein herausragendes Merkmal aber war sein Bauch, besser gesagt, seine Wampe, die über die viel zu eng gegürtete Hose hing, verdeckt vom blau-grün-weissen Karohemd, das er sich wohl bereits zu Studentenzeiten erstanden hatte. Brummel war ein bärtiger Kerl, und vermutlich wäre sogar mein Meerschweinchen vor einer Begegnung zurück geschreckt, so ich denn eines hätte. Kurzum: Der Mann faszinierte mich vom ersten Augenblick an. Als sein klappriger Lieferwagen, voll bepackt mit alten Möbeln, in unsere Strasse einbog, wusste ich gleich, dass da im Stock über mir ein verrückter Kerl einziehen würde. Es war Hochsommer, und ich hatte mir nicht eben viel Gedanken gemacht über dezente Kleidung. Ich trug einen Mini, der meinen Hintern mehr als nur erahnen liess, und ein zu heiss gewaschenes Top. Gelb. Und so knapp, dass mir das Atmen schwer fiel. Ich sass auf meinem kleinen Balkon und hatte den ersten Mojito des Jahres vor mir, den ich genüsslich süffelte. Ich hatte Zeit, viel Zeit. Und dann eben die Ruhestörung durch Brummels Lieferwagen. Ich bin eine neugierige Frau. Klar. Sonst könnte ich euch nicht seit drei Jahren mit mittlerweile über 100 Stories unterhalten. Meine Neugierde trieb mich dazu, mich übers Balkongeländer zu lehnen, um etwas mehr von der Szenerie um meinen künftigen neuen Nachbarn mitzubekommen. Das erste, was mir auffiel, waren zwei ausgesprochen schlanke (und ebenso knapp bekleidete) Girls wie ich selbst. Sie schienen beide gut drauf zu sein und lachten in einem Fort, während sie den in Violett- und Grüntönen bemalten Lieferwagen ausräumten. Ganze Seemannskisten schleppten sie da zum Gartenzaun; die beiden waren unglaublich behände. Read more
No commentsBumm Bumm
Die Kinositze schweben über der Karl-Marx-Allee. Sein Oberarm berührt ihren. Auf der Leinwand flimmert der Film. Ihre Hand liegt auf ihrem Schenkel, ganz nah an seinem Bein. Sie hält die Finger gespreizt. Die Strumpfhose spannt auf ihrer Haut.
Seine Hände suchen eine Beschäftigung. Er legt sie auf seine Jeans. Je starrer Mona sitzt, desto beweglicher wird Noris. Jetzt hebt er die Arme, gleich wird er sie um ihre Schultern legen. Der Saal liegt in Dämmerlicht. Noris lehnt sich zu Mona hinüber, der Druck auf ihren Oberarm verstärkt sich. Ein heißer Fleck. Sie hält ihm die Tüte mit dem Popcorn hin.
Nein, sagt Noris. Ohne danke. Und:
Das ist ein Scheißfilm.
Eine Teufelin erfüllt die Wünsche eines Mannes mit vorhersehbaren Folgen. Reich und mächtig, sensibel und geliebt will er sein. Jedes Mal hat er einen Aspekt übersehen. Read more
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