Archive for March, 2009
Hausmeisterpflichten?
Unmutig griff Michael zum Telfon. Am anderen Ende war mit Sicherheit am Ton zu merken, dass ihm die Störung unlieb war. Immerhin war Sonntag und man hatte ihn bei seinem Mittagsschläfchen gestört. “Ja, ich bin der Hausmeister”, gab er brummig von sich. „Aber auch ein Hausmeister hat mal Sonntag!”
An der Haustür fühlte er sich bestätigt. Es stimmte beinahe, wie er sich nach der angenehm rauchigen Stimme diese Frau vorgestellt hatte. Dreißig mochte sie sein. Jeans, der knallenge Pulli und dazu die feuerrote Mähne gaben ihr ein kesses jugendliches Aussehen. Aus ihren lustigen Augen schienen Funken zu springen. Perfekt ihr Make-up, aber nicht übertrieben. Doch, die Lippen waren vielleicht ein wenig grell. Aber sie machten einen wunderschönen Kirschmund.
“Viola Bähring”, stellte sie sich vor und entschuldigte sich noch einmal für die sonntägliche Störung.
Die Wohnungsbesichtung ging relativ schnell. Die Frau war von der Wohnung begeistert. Nur im Schlafzimmer gab er zu bedenken, dass es recht eng werden konnte. Als er den gedachten Platz für die Betten abschritt, korrigierte sie: “Es braucht nur Platz für ein Bett!”
Bei dem Satz machte sein Herz irgendwie einen Hüpfer. Hatte sie es etwa gehört? Ganz merkwürdig schaute sie ihn an und fummelte nervös an ihrer Handtasche. Michael freute sich, dass er noch ein paar Minuten mit ihr zusammensein konnte. Sie entschied sich endgültig für die Wohnung und musste mit zu ihm, um die freiwillige persönliche Auskunft für den Vermieter auszufüllen. Gegen einen Kaffee hatte sie nichts einzuwenden. Als Zubrot raspelte Michael eine Menge Süßholz. Er sah wohl, wie sie sich in seinen Komplimenten sonnte. Er spürte auch, dass sie Sympathie beiderseits sein musste.
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Mitgenommen und ausgenommen
Einer Ungeschicklichkeit verdanke ich unvergessliche Ferien. Die Dame führte gerade ihre Kaffeetasse zum Mund, als ich sie in dem engen Café im Vorbeigehen anstieß und sie einen guten Teil des Inhalts über ihr Kleid verschüttete. So war ich mit der brünetten Schönheit ins Gespräch gekommen. Sie war mindestens zehn Jahre älter als ich. Nach einer langen Unterhaltung erbot ich mich für das Wochenende als Fremdenführer. Sie sprach nicht nur bayrischen Dialekt sondern war auch zum ersten Mal in Hamburg. Wir verstanden uns prächtig und redeten uns bald mit Vornamen an.
Nach zwei gemeinsam verbummelten Tagen sah ich mich schon mit ihr in ihrem Hotelzimmer. Schon zweimal hatte sie ähnliche Andeutungen gemacht. Nichts! Sie lehnte sogar ab, dass ich sie zum Hotel begleitete. Dafür überraschte sie mich mit der Frage, ob ich sie für vierzehn Tage in die Ferien begleiten würde. Erst nach dieser Frage vollzog ich nach, wie geschickt sie mich in den zwei Tagen zu meinen persönlichen Verhältnissen ausgefragt hatte. Ich konnte diese Einladung überhaupt nicht einordnen, sagte dennoch am nächsten Tag telefonisch zu. Zeit hatte ich. Es waren Semesterferien.
Verabredungsgemäß empfing sie mich am Münchner Flughafen. Den Wagen steuerte sie nicht selbst nach Österreich. Ein fremder Mann saß am Steuer. Es war offensichtlich ein Mietwagen. Das wurde am Ziel rasch klar, denn er verschwand sofort, nachdem er das Gepäck ausgeladen hatte.
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Er erinnert an ihren Jungfernstich
Andreas Perlik musste mit seinem Fleurop-Auslieferungsfahrzeug nach fünf noch einmal raus. Nach 17 Uhr auszuliefern stand auf dem Auftrag. Solche Kunden liebte er. Nun hätte ihm nur noch gefehlt, dass immer noch niemand zu Hause war. Es ging gut. Er hörte kurz nach seinem Klingeln die Schritte hinter der Tür des Einfamilienhauses. Verblüfft sah er in das hübsche Gesicht der jungen Frau. „Ramona“, fragte er unsicher, „Ramona Leisner?“
Sie lachte mit ihrer glockenklaren Stimme auf und erwiderte: „Reimann, nicht Leisner. Ich war inzwischen verheiratet. Andreas, wie lange haben wir uns nicht gesehen.“
„Warte“, sagte er, „Kurz vor deinem Abi hast du mir den Laufpass gegeben. Du musst jetzt fünfundzwanzig oder sechsundzwanzig sein.“
„Mensch, Andreas, komm rein. Die Blumen müssen ins Wasser und du kannst sicher einen Kaffee vertragen. Ich bin auch gerade rein und kaffeedurstig.“
Während sie in der Küche beschäftigt war, lief bei ihm der Film aus den jungen Jahren ab. Read more
No commentsHeiß in ungewöhnliche Kälte
Nein, heiß war der Urlaub zunächst nicht. Im Gegenteil!
Du fliegst Ende Oktober nach Ägypten, willst Sonne, Wärme, rechnest um diese Zeit höchstens mit einer Regenhusche. Und dann: saukalt, ungeheizte Zimmer, viel zu dünne Sachen dabei und die leichten Sommerdecken in den Hotelbetten!
So geschehen 1995.
Mir war sogar schon zu kühl, den im Flieger begonnen Flirt mit dem gutaussehenden Rheinländer fortzuführen. Mitunter lächelte ich nur gequält, wenn er in den Korb seiner Komplimente und kleinen Frechheiten griff. Nur wenn er über die Saukälte redete, hatte er eine bibbernde Gesprächspartnerin.
Am vierten Tag staunte ich nicht schlecht. Er kam aufgeräumt an den Frühstückstisch und ließ nach Art der Männer einen Autoschlüssel um seinen Zeigefinger pendeln.
Meine erste Frage war nicht, woher und wohin mit dem Leihwagen, sondern:
“Hat das Auto eine gute Heizung? Read more
No commentsHauptstadtwechsel
Blitz und Donner passten so recht zu Winfrieds Stimmung. Das schwere Sommergewitter verdunkelte den Himmel über der ehemaligen Bundeshauptstadt. Unlustig pendelte Winfried zwischen Küche und Wohnzimmer. Den Tisch für das Abendessen wollte er mit besonderer Sorgfalt decken. Es sollte der Abschiedsabend von dieser Stadt und von seiner jahrelangen Beziehung werden. Lange hatte er gegrübelt, ob er mit seinen fünfzig Jahren noch einmal den Sprung in eine völlig andere Umgebung wagen sollte. Nun waren die Würfel gefallen. Seine Dienstleistungsfirma hatte nach dem Umzug der Regierung nach Berlin in Bonn keine Chance mehr. “Berlin”, brummelte er vor sich hin, “wie werde ich mich in dieser völlig fremden Stadt einleben.” Das Geräusch an der Wohnungstür riss ihn aus seinen Grübeleien. Es war Knut. Winfried sah, wie dem Freund die Tränen in die Augen traten, als er den besonders festlich gedeckten Tisch sah. Wortlos fielen sie sich in die Arme. Die paar Tränen küsste Winfried dem Mann ab, dann trafen sich ihre Lippen zu einem schmerzlichen Kuss.
“Wir hätten am letzten Abend lieber in einem Restaurant essen sollen” brummelte Knut, als er wieder durchatmen konnte. “Warum machst du uns den Abschied so schwer?”
“Warum nur muss es ein Abschied sein? Geh einfach mit nach Berlin. Meinst du nicht, dass diese Riesenstadt deine Inspiration beflügelt? Malen kannst du überall.” Read more
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